Fairplay 135 – Rezension: Krazy Pix

Erinnern Sie sich noch an KRAZY WORDZ? Dieses Spiel, welches 2016 in einer „Familien“ und einer „Nicht 100% jugendfrei“-Version unter dem Verlagslabel fishtank herauskam. Denn damals zierte sich Ravensburger, es unter seinem „guten Namen“ zu veröffentlichen. Bestimmt erinnern Sie sich, denn das Spiel sorgte für viel Spaß an den Spieltischen und landete zu Recht auch auf der Empfehlungsliste für den roten Pöppel.

Später hat sich Ravensburger dann zu einer optisch veränderten Neuauflage entschlossen, unter die der Verlag dann auch guten Gewissens sein Logo setzen konnte. Auch wenn das Spiel in meinen Runden super ankam, ein Dauerbrenner wurde es bei uns nicht. Das lag zum einen vermutlich daran, weil die Regeln, welche Wortneuschöpfungen erlaubt waren und welche nicht, für Gelegenheitsspielerinnen immer etwas anstrengend waren und schnell vergessen wurden. Zum anderen, weil sich irgendwann doch eine gewisse Sättigung einstellte, da die Wortkreationen gleichbleibend aus denselben Wortanleihen oder -klischees konstruiert wurden.

Sophia Wagner hat sich die Grundidee von KRAZY WORDZ geschnappt und ins Bildliche übertragen. Allein die Ankündigung hat bei mir ein „Yeah! Geile Idee“ ausgelöst. Statt der Buchstaben gibt es nun einfache und speziellere Symbolplättchen, aus denen wir Bilder formen, die die Mitspielerinnen dem richtigen Wort zuordnen müssen. Je mehr Spielerinnen mein Bild meinem Aufgaben-Wort zuordnen können, desto mehr Punkte gibt es.

Bei der Umsetzung von KRAZY PIX wurde vieles richtig, aber dennoch nicht alles optimal gemacht. Die Auswahl und den Umfang der Wörter finde ich nicht gelungen. 168 Wortkarten hören sich nach viel an, davon bleiben aber abzüglich der Erwachsenenkarten nur noch 124 übrig. Schon nach drei bis vier Spielen wiederholen sich damit die Wörter, und dann passiert folgendes: Da die 100 Symbolplättchen immer wieder dieselben Strukturen aufweisen, werden auch von unterschiedlichen Personen immer wieder ähnliche Bilder zu den Wörtern geformt.

Zudem sind einige Wörter deutlich schwieriger darstellbar als andere. Mal abgesehen davon, dass Kinder ab 10 Jahren keine Ahnung davon haben, wer Isaac Newton oder „Der letzte Mohikaner“ war, werden Wörter wie „Wasserfall“ oder „Skifahren“ mehr oder weniger immer wieder zum selben Motiv geformt. Wörter wie „rutschig“ oder „Jemandem auf den Zahn fühlen“ spielen dagegen in einer anderen Liga und sind mit den falschen Symbolplättchen fast nicht darstellbar. Apropos darstellbar.

Es ist tatsächlich erstaunlich, was für Motive und Bilder einige Menschen mit den Symbolplättchen zusammenbasteln können. Wo einige mit der Raute nichts anfangen können, ist sie bei anderen Körper und Arm einer Eishockeyspielerin. Diese Hürde ist für die “Legasthenikerinnen der bildlichen Darstellung“ unter uns zwar deutlich geringer als bei einigen anderen Spielen in diesem Bereich, aber dennoch vorhanden.

Trotzdem schlägt KRAZY PIX mit seinen einfacheren Regeln und schnellerem Zugang den wortreichen Vorgänger und sorgt für viel Gelächter und Spaß. Es würde mich sehr wundern, wenn es von der SdJ-Jury keine Nominierung erhalten würde. Als Dankeschön könnte Ravensburger jeweils 500 neue Wörter für Familien und Erwachsene als Nachkaufpack springen lassen und der Neuauflage beigelegen.

Jan Drewitz

Sophia Wagner, basierend auf einer Idee von Dirk Baumann, Thomas Odenhoven, Matthias Schmitt: KRAZY PIX für 3 – 8 Personen mit bei Ravensburger 2020, Spieldauer 30 – 45 Minuten

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