Fairplay 138 – Arche Nova

Kartenmanagement an Zoothema mit Puzzelaspekt und Geldbeilage

Sowohl bei unserer Scout-Aktion als auch bei der Hitliste der SPIEL.digital landete ARCHE NOVA auf Platz 1. Was nicht überraschte. Denn bereits im Vorfeld war der Hype um dieses Spiel enorm. Genau wie der Run auf die frei verkäuflichen Restexemplare auf der Messe. Am Donnerstagmorgen war die Schlange bis zum Feuerland-Stand entsprechend lang. Fast bis zu unserer Ecke, da fehlten nicht mehr viele Meter. Gegen Mittag war die Schlange dann weg, aber ARCHE NOVA auch. Nun kamen nur noch die Vorbesteller zum Zuge. Wirklich nur die Vorbesteller? Nicht ganz. Am Donnerstagabend, als wir den ersten Trend der Scout-Aktion verkünden konnten, landete ARCHE NOVA gleich ganz weit vorn auf unserem Regal. Und so gelangte das Spiel letztlich doch noch zur Fairplay. Was für ein Glück! Andernfalls hätte ich bis Dezember oder noch länger warten müssen.

Cover von Feuerland Spiele

Ist Arche Nova wirklich gut?

Klar, Sie ahnen es doch schon längst. Ich will auch gar nicht mehr um den heißen Brei herumreden. Das Spiel ist tatsächlich so gut wie sein Ruf. Zugegeben, das ist jetzt an dieser Stelle meine ganz persönliche Meinung und mein noch persönlicherer Spielegeschmack, den ARCHE NOVA genau trifft. Aber ich kann meine Meinung selbstverständlich durch gute Argumente untermauern.

Da ist erstens das Thema ‚Zoo/Zoobau‘ zu nennen. Im Bereich der Spiele auf Expertenniveau ist das noch unverbraucht. Wir legen hier keinen 0815-Tierpark in Kleindingenskirchen an, sondern einen wissenschaftlich geführten Betrieb von Weltrang, der sich dem Artenschutz verschrieben hat. Dazu gehört die Einstellung von Wissenschaftlern, das Gewinnen von Sponsoren, das Anlegen artgerechter Gehege, die Kooperation mit Partnerzoos und Universitäten, das Unterstützen von Artenschutzprojekten sowie das Auswildern von Tieren.

Die beiden letztgenannten Aspekte bringen dann auch logischerweise die fetten Artenschutzpunkte, die mich auf der Siegpunktleiste in großen Schritten voranbringen.

Da sie jedoch an bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen geknüpft sind, dauert es eine ganze Weile sowie einiges an Anstrengung, bis ich in deren Genuss komme. Im Gegensatz zu den Attraktionspunkten, die es öfter, leichter und reichlicher gibt. Die bringt nämlich jedes Tier mit sich, welches ich in einem Gehege auf meinem Zooplan unterbringe.

Foto: Redaktion

Je exotischer die Tiere sind, desto interessanter machen sie meine Menagerie für meine Besucher. Das steigert den Attraktivitätswert meines Zoos. Der Unterschied der beiden Punktarten schlägt sich sowohl in der Art ihrer Beschaffung nieder als auch im Aufbau der Siegpunktleisten, die entgegengesetzt um die allgemeine Kartenauslage herumlaufen.

Da kommen in der Regel auf drei Attraktionspunkte ein Artenschutzpunkt. Und sobald die beiden Zählmarker aneinander vorbeiwandern, wird das Spielende eingeläutet. Wer dann den größten positiven Abstand zwischen seine Marker bringen konnte, gewinnt. Der Wettlauf um den erfolgreichsten Zoo hat begonnen.

Foto: Feuerland Spiele

Zweitens ist der Aktionswahlmechanismus in ARCHE NOVA so erfrischend wie einfach. Jede der fünf Aktionen wird durch das Spielen ihrer gleichnamigen Karte ausgelöst. Die fünf sind für alle gleich. Sie liegen in einer Reihe unterhalb der Zootableaus. Der Text auf den Karten gibt glasklar vor, was sich damit anfangen lässt, und die Kartenposition bestimmt die Stärke der jeweiligen Aktion. Wobei Position 1 selbstredend am schwächsten und Position 5 am stärksten ist. Durch Abgabe von sogenannten X-Markern lässt sich der Wert einer Karte temporärer erhöhen. Nach ihrem Gebrauch wandert die Karte auf die erste Position in der Kartenreihe zurück, alle anderen rutschen dementsprechend hoch. Darüber hinaus bietet das Spiel an diversen Stellen die Möglichkeit Aktionskarten dauerhaft zu wenden. Auf der pinken Rückseite steht zwar im Kern dieselbe Aktion, sie ist aber wesentlich mächtiger als ihr blaues Pendant.

Das bringt zusätzliche Spielwürze. Der Aktionswahlmechanismus erfordert deshalb nicht nur Gespür für das richtige Timing der Aktionen. Er verlangt auch den Überblick darüber, welche Verbesserung meiner Planung mehr entspricht, eben weil ich in einer Partie nicht alle fünf Karten gewendet bekomme.

Drittens wartet ARCHE NOVA mit einem Puzzelaspekt auf. Ich habe nämlich keinen fertigen Zoo auf meinem Tableau liegen. Nee, nee, der will erst noch mit Bedacht angelegt werden. Schließlich sind seine tierischen Bewohner anspruchsvoll. Sie verlangen nach einer Gehege-Mindestgröße und anderen Voraussetzungen. So benötigt der Sumatra-Tiger für seine artgerechte Haltung eine Unterkunft über vier Hexfelder, die gleichzeitig an zwei Wasserfelder grenzen muss. Das Gehege wird nach Einzug des Tieres auf seine Rückseite gedreht, da wohnt jetzt der Tiger drin. Zusätzlich erbringt die Bebauung mancher Felder Boni bzw. Bonusaktionen. Diese Puzzelei ist belohnend und unterhaltsam gleichermaßen. Obendrein bewahrt sie ARCHE NOVA davor ein bloßes, repetitives Kartenausspiel-Spiel zu sein.
Und viertens: Wie im richtigen Zooleben auch, klappt bei aller löblichen Artenschutzerhaltung und Wissenschaftlichkeit nichts ohne den schnöden Mammon. Der Bau der Gehege und die Unterbringung der Tiere kosten Geld. Deswegen verläuft parallel zur Attraktionsleiste außerdem noch die Einkommensleiste. In ARCHE NOVA gibt es jedoch weder eine vorgegebene Rundenanzahl noch das übliche Rundeneinkommen. Vielmehr wandert eine Kaffeetasse eine Pausenleiter hoch und läutet ein kurze Spielunterbrechung ein. Jetzt erhalten alle entsprechend der Attraktivität ihres Zoos Geld sowie Gewinne durch Sponsoren und Beteiligung am Artenschutz. Dann kommen neue Karten in die allgemeine Auslage, müssen Handkarten eventuell reduziert und die Kaffeetasse wieder auf Anfang gestellt werden.

Epischer Zoo

Mit ARCHE NOVA landet richtig viel und ein gutes Spiel auf dem Tisch. Es ist ein äußerst delikates Fünf-Sterne-Gericht, mit Kartenmanagement als Hauptzutat: Welche Tier-, Sponsoren-, Artenschutz- und Spielendekarten passen zusammen, bringen Punkte und Geld und bilden bestenfalls eine Punkte-Geld-Maschine? Und wie kriege ich das alles über meine fünf Aktionskarten gewuppt? Und wie gelingt mir das schneller und effektiver als den anderen am Tisch? Das lässt sich über einen Zeitraum von durchschnittlich zweieinhalb bis drei Stunden pro Partie hinlänglich herausfinden. Dabei resultiert die lange Spieldauer vor allen Dingen aus der Vielzahl an Karten und ihrer umfangreichen Symbolik. Außerdem nehmen die großschrittigen Artenschutzpunkte und damit auch das Spiel erst ab der zweiten Hälfte Fahrt auf, weil in der ersten Hälfte die Voraussetzungen dafür zu schaffen sind. ARCHE NOVA ist also in jeder Hinsicht auf epische Ausmaße angelegt. Und bietet genau deshalb die Möglichkeit, darin zu versinken, Raum und Zeit zu vergessen. Zwei bis drei Stunden sind zwar lang, aber langweilig ist dieses Spiel zu keiner Minute. Mit über zweihundert Karten und gefühlt mindestens ebenso vielen, wenn auch klaren Symbolen, ist anfängliche Verwirrtheit vorprogrammiert. Aber genauso gut sind die beiden Mengen ein Garant für immer unterschiedliche Partien. Dazu die Puzzelei und obendrein verschiedene Zoopläne – viel mehr Varianz und Wiederspielwert geht kaum.

Wenn ich nachts um eins an die soeben beendete Partie gleich die nächsten hängen könnte, dann sagt das alles aus!


Bei dem Packen an Karten spielt der Glücksfaktor natürlich eine gewisse Rolle. Gute Handkarten gleich zu Beginn sind Gold, bzw. Geld wert. Das will ich gar nicht verschweigen. Der Glücksfaktor relativiert sich jedoch einerseits über die Spiellänge, denn irgendwann ist für alle was Passendes dabei. Und er reduziert sich andererseits durch die Rufleiste. Steigere ich den Ruf, also das Ansehen meines Zoos, darf ich Karten bis hin zu meiner Rufreichweite aus der offenen Auslage nehmen. Dadurch umgehe ich das blinde Nachziehen vom verdeckten Stapel. Außerdem erlaubt mir die Aktion ‚Karten‘ auf Stufe fünf das ‚Schnappen‘ irgendeiner Karte aus der Auslage. Mit der verbesserten Aktion ‚Tiere‘ lässt sich auch ein Tier von der Auslage direkt in meinen Zoo spielen.

Das Gewichts des Glücks

Wie Sie lesen, wiegt das Glück weniger schwer als zunächst angenommen. Spielerisch gesehen hat ARCHE NOVA demnach keine wirklichen Macken. Es sei denn, Sie bestehen auf starker Interaktion. In diesem Punkt muss ich Sie leider enttäuschen. ARCHE NOVA ist eine sehr solitäre Angelegenheit. Aber davon abgesehen funktionieren alle Mechanismen einwandfrei. Sie bilden das Thema gut ab und fügen sich nahtlos zu einem angenehm komplexen und runden Spielerlebnis zusammen.
Trotzdem hätte ich noch ein paar Kleinigkeiten zu bekritteln: Die Anleitung ist ein echter Batzen Blocktext, was das Wiederfinden von Regeldetails erschwert. Die Möglichkeit der negativen Interaktion durch spezielle Tierfähigkeiten hätte es nicht gebraucht, das fühlt sich aufgepfropft an. Der Zoobau selbst bleibt unterm Strich eher abstrakt. Gehege platzieren, Tierkarte spielen, Gehege umdrehen, Tier verschwindet in meiner Auslage. Vielleicht würden schon Tierklasseplättchen auf den Puzzelteilen ein wenig mehr Zoobau-Feeling bringen?
Egal, geschenkt, diese Kritikpünktchen vermiesen mir ARCHE NOVA nicht. Wenn ich nachts um eins an die soeben beendete Partie gleich die nächsten hängen könnte, dann sagt das alles über dieses großartige Spiel aus!

Astrid Diesen

Mathias Wigge: ARCHE NOVA für 1 – 4 Personen mit Illustration von Loïc Billiau, Dennis Lohausen, Steffen Bieker bei Feuerland Spiele 2021, Spieldauer 90 – 150 Minuten

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