Fairplay 134 – Rezension: Merchants of Dunhuang

Wo das Dromedar kreiselt

Das hatten Sie doch bestimmt auch schon, oder? Neues Spiel. Regel gelesen. Auf den „anderen“ Stapel gelegt? Nur um dann bei der ersten Partie zu merken, wie krass Sie sich vertan haben? So ging‘s jedenfalls mir mit MERCHANTS OF DUNHUANG. Kurzer Blick in die Spielanleitung. Aha, Rondell, Karten sammeln und Mehrheiten. Na, das probieren wir mal … später. Aber zu meiner Ehrenrettung: Es kam dann auch in den nächsten Tagen auf den Tisch.

Das Thema des Spiels tut nichts zur Sache. Seidenstraße, Händler, Waren. Das hätte auch alles andere sein können. Die 55 Warenkarten sind aber sehr schick. Im Spiel ist einmal Gold (Wert 1), zweimal Silber (Wert 2), usw. und zum Schluss zehnmal Seide (Wert 10). Acht Warenkarten liegen als „Markt“ im Kreis auf dem Tisch, jeweils neben einem Aktionsplättchen. Und auf einem Plättchen steht das Dromedar. Bin ich am Zug, bewege ich das Dromedar einen oder gegen Bezahlung mehrere Schritte auf dem Rondell weiter. Ich nehme mir die Ware des Zielfeldes und führe die Aktion aus. Die Ware kann ich entweder auf die Hand nehmen oder ich lege sie in meine Auslage und bekomme dann den Mehrheitsmarker dieser Ware, wenn niemand mehr Karten dieser Sorte in seiner Auslage hat. Halte ich am Ende meines Zugs vier Mehrheitsmarker sowie vier unterschiedliche Waren auf der Hand, habe ich schon vorzeitig gewonnen. Aha! Also einfach geschickt über das Rondell kreiseln und Mehrheiten sichern? Hört sich doch einfach an! Und die Aktionsplättchen bieten dafür schöne Möglichkeiten: Karten zwischen Hand, Auslage und Markt tauschen, mehr Karten ziehen, Mehrheitsmarker schützen etc. Sobald aber der Kartenstapel aufgebraucht ist, sind Mehrheitsmarker nicht mehr viel wert. Stattdessen bekomme ich für jede Warensorte auf der Hand den aufgedruckten Wert, jedoch nur falls ich die meisten dieser Sorte besitze. Wer zum Schluss die meisten Punkte hat, gewinnt. Da muss ich wie ein Luchs aufpassen. Sobald meine Mitspieler:innen am Tisch kurz vor der Ziellinie sind, wird es brenzlig. Da will jeder Schritt auf dem Rondell gut überlegt sein. Schaff ich es selbst noch vorzeitig oder spiele ich das lange Spiel?

Diese gegensätzlichen Siegbedingungen sind das Salz in der Suppe. Ständig muss ich aufpassen und mir am besten merken, welche Karten die anderen auf der Hand haben. Gegen Ende kann ich auf dem Rondell nicht sorglos loslaufen, wenn ich weiß, dass die anderen von einem Aktionsplättchen oder einer bestimmten Ware auf dem Markt besonders profitieren. Aargh, da hab ich was übersehen. Noch eine Partie? Na klar! Ist doch auch schnell gespielt.

Mit den doppelseitigen Aktionsplättchen gibt es zwar nicht endlose Kombinationen, für meinen Geschmack fühlt sich das Rondell dennoch unterschiedlich genug an. Wenn es zwischendurch oder abends lieber etwas Kurzes sein soll, spricht vieles für eine oder vier Partien MERCHANTS OF DUNHUANG.

Marcus Eibrink-Lunzenauer

Gabriele Bubola: MERCHANTS OF DUNHUANG für 2 – 4 Personen mit Illustration von Martin Mottet bei Mandoo Games 2020, Spieldauer 20 – 35 Minuten

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