Fairplay 135 – Editorial

Liebe Leserinnen,

ich bin geneigt, mein Edi aus der 132 zu wiederholen: „Was für merkwürdige Zeiten?! Da sitze ich in meinem Stall und bin ganz allein.“ Und wieder macht Corona einen dicken Strich durch die Rechnung.

Blöd! Aber was sollen wir machen, die Seuche kommt tatsächlich immer näher. Deshalb sind zwei Artikel auf der Strecke geblieben. Es ist so schade um die Rezis von PALEO von Hans im Glück und REMEMBER OUR TRIP von dlp. Kommt hoffentlich in der nächsten Fairplay.

Überhaupt scheint sich einiges bewegt zu haben. Die Jury hat sich mal wieder gehäutet. Das passiert ja nicht nur denen, dass es Zu- und Abgänge gibt. Interessant ist dabei die Verweilzeit in der Jury. Manche kleben an ihren Stühlen, manche sind nach furiosem Einstand schnell wieder weg. Woran mag das nur liegen? Ich muss gar nicht fragen, denn wer neu in die Szene einsteigt, ist Feuer und Flamme. Und dann gleich ab in die Jury, sozusagen als Krönung.

Und wie lange verweilen die Neulinge dort? Wer davon leben kann oder gar nicht muss, bis zur Pensionierung und darüber hinaus. Änderungen im persönlichen Umfeld führen zu Abgängen, das ist auch im richtigen Leben so. Und manchmal geht den Menschen nach starkem Einstieg einfach die Puste aus. Und schon sind die wieder abgetaucht.

Klar, Lebensschwerpunkte ändern sich. Auch in meinem Stall. Seit Anbeginn haben wir uns mehrfach gehäutet, meistens im Guten, einige sind einfach verschwunden. Denen, die uns im Guten verlassen haben, trauern wir nach. Ist doch logisch. In meinem Stall wird es immer Veränderungen geben.

Keine Sorge, ich bleibe Ihnen noch ein Weilchen erhalten. Wie sieht es überhaupt mit der Lebenszeit aus, die Sie zum Spielen aufwenden? Wer schön regelmäßig oder immer wieder spielt, so ganz ohne Verpflichtung, kann das Spielen sehr genießen. Wir müssen Neuheit um Neuheit spielen. Aber wir sind zum Glück ein großes Team. Da verteilt sich die Last auf viele Schultern und Genuss bleibt erhalten. Sonst gäbe es uns nicht fast 34 Jahre.

Aber denken Sie nur an die vielen Youtuberinnen, Bloggerinnen, Podcasterinnen. Die männlichen sind natürlich mitgemeint. Die starten alle furios, hauen ihren Content beinahe täglich raus. Was für ein Stress! Wie können die das nur auf Dauer durchhalten? Keine anderen Verpflichtungen? Wen habe ich da nicht alles kommen und gehen sehen?!

Selbst bei mir im Stall gab’s so Leuchtraketen. Ich bin ja ein erfahrener Gaul, also besser lenken statt bremsen. Dann läuft das schon, vor allem länger. Aber da draußen, im Internet, da verglühen ein ums andere Mal vermeintliche Big Player. Auf einmal wird es still um sie, die ausgezogen sind, die Spielewelt zu erobern. Und ist der Abgang nicht sogar vernünftig? Wer kann sich schon ewig in dem Zirkus der Neuheiten selbst ausbeuten?

So endet es dann, wenn sich die Hoffnungen auf Ruhm und Euros nicht erfüllen. Selbst wenn so mancher Euro in die Kasse kommt, gibt es Menschen, die davon leben können? Auf mehr, als nur kleiner Flamme? Wer nur sich selbst finanzieren muss, kann lange auf Studenten-Niveau leben. Lohnt sich das Opfer? Wer bringt so großen und langanhaltenden Enthusiasmus auf? Deshalb gibt’s überall Veränderungen.

Und manchmal führt eine Veränderung anderswo dazu, dass bei uns die Abos steigen. Schöne Überraschung! Ich war nicht wirklich überrascht, weiß ich doch über die vielen Jahre, was auch leichte Veränderungen auslösen. Sei’s drum, wir ändern trotzdem immer was. Und wer den Weg mit uns geht, dem machen wir es so kuschelig wie möglich. Meine Knechte lieben ihren Stall und all die damit verbundene Arbeit.

Nur die Knechte? Wie heißen eigentlich die Frauen, die im Stall arbeiten? Mägde? Ach kommen Sie, das sind heute ganz offiziell Pferdewirtinnen. Überhaupt verdienen gerade die Frauen im Stall allerhöchste Anerkennung. In der Szene werden es zum Glück immer mehr.

Ja, tatsächlich … Und weil Frauen eigentlich schon immer die Welt regieren, müssen wir Hengste mal etwas zurückstecken. Wenigstens ein bisschen, ein bisschen dieses Heft verändern. Die allergrößten Hengste dürfen sich auch gerne angesprochen fühlen.

Ich hoffe natürlich nicht auf einen Aufstand der Hengste. Und wer von den Hengsten und Stuten die meisten aller Fehler findet, den belohne ich sogar mit einem Freiabo fürs nächste Jahr. Zuschriften unter Nennung aller Fehler bitte an meine persönliche E-Mail-Adresse unter harry@fairplay-online.de. Äh, ja, also, die unvermeidlichen Tippfehler sind damit natürlich nicht gemeint.

Auf die Frauen dieser Welt!
Ihr Harry

Dieser Text erschien in der 135. Ausgabe des Fairplay Magazins. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für 24 Euro im Jahr.

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