Fairplay 131 – Rezension: It’s a Wonderful World

Ein typischer Kickstarter – oder Spiele, die die Welt nicht braucht …

It's a Wonderful World Cover

… aber die durchaus unterhalten. Denn IT’S A WONDERFUL WORLD ist in guter Näherung ein weiteres 7 WONDERS Plagiat, wie schon CARNIVAL OF MONSTERS. Ja, es gibt einige Änderungen in vielen Details, z.B. eine Produktionsphase und völlig andere Kartenbauregeln. Am Spielgefühl ändert dies aber erstaunlich wenig und schon gar nicht überall zum Guten – zumindest viel weniger als ich erhofft hatte.

Doch der Reihe nach. Zunächst bekommt jeder einen Startkonzern und 7 Karten, nimmt eine und gibt den Rest weiter. Die Karte kommt offen in die eigene Auslage. Dies geht so lange weiter, bis jeder sieben Karten vor sich liegen hat. Dann beginnt die Bau- und Produktionsphase. Denn die ausliegenden Karten müssen mit bunten Plastikwürfelchen bezahlt werden. Die sind aber zunächst gar nicht im Spiel. Deshalb bietet es sich an, einige Karten abzugeben und gegen vorgegebene Würfelchen einzutauschen. So gelingt es vielleicht schon, eine Karte fertigzustellen und zum Startkonzern zu legen. Denn viele Karten und der Startkonzern produzieren die bunten Ressourcen. Erst bekommt jeder alle ihm zustehenden grauen Würfelchen. Das erlaubt vielleicht wieder eine weitere Karte zu vollenden. Dann gibt es noch schwarze, grüne, gelbe, blaue Würfel. Schließlich gibt es wieder sieben neue Karten, und nach vier solchen Durchgängen ist das Spiel vorbei.

It's a Wonderful World – Grafik: Mondstation, Spaziergang mit Hund

Einige der Karten bringen Siegpunkte, einige nicht, und einige bringen Siegpunkte in Kombination mit anderen Bedingungen. Es gibt wie immer auch noch ein paar weitere Details wie Bonussiegpunktchips und rote Jokerwürfelchen. Interessant klingt die Regel, dass produzierte Würfel sofort auf ausliegenden Karten zu verteilen sind. Es ist also nicht möglich Ressourcen zu horten. Was sich nicht verbrauchen lässt, kommt auf den Startkonzern. Von dort lassen sich Würfel zum Kurs von fünf zu eins in Joker tauschen.

Es macht Spaß zu erleben, wie über die vier Runden die Produktionsphase eskaliert. In der letzten Produktionsphase gelingt es immer wieder mehr Karten zu vollenden als erwartet. IT’S A WONDERFUL WORLD ist aber auch ein Spiel, das Habenden noch mehr gibt und Mitspielern mit einem holprigen Start kaum eine zweite Chance bietet. Es sind zwar Siegstrategien möglich, die mit vergleichsweise wenigen Karten auskommen, diese erfordern aber auch eine Menge Glück.
Glück bei der Kartenzuteilung ist eh der sicherste Weg zum Sieg. Denn im Gegensatz zu 7 WONDERS kommen die Karten aller Epochen vom selben Stapel, und es kommt auch nur ein Teil der Karten ins Spiel. Praktisch ist es, zunächst Karten zu sammeln, die viel Produktion gestatten, aber auch schon einen Weg für spätere Siegpunkte vorgeben. Im zweiten Teil des Spiels ist es dann hilfreich, Karten zu erhalten, die es erlauben, diese Siegpunkte zu realisieren. Sicherlich ist es klug, solche Karten auch schon zu Beginn des Spiels zu behalten. Das kann aber schnell zu einem bunten Kartensalat ohne Struktur führen. Oder es passiert, dass in der letzten Epoche keine passenden Karten mehr kommen – oder noch schlimmer: Es gibt mehr Karten, die Mitspielern helfen, als man aus dem Spiel ziehen kann.

It's a Wonderful World – Grafik: Verschneiter Tempel

Die fünfteilige Produktionsphase und die Bauregeln spielen sich einfacher und weniger spektakulär als es klingt. Deshalb bleibt ein Spielgefühl, das an ein nicht ganz fertigentwickeltes, aber dafür leicht überladenes 7 WONDERS erinnert. Die kurze Spieldauer, das schöne Material und die Tatsache, dass auch ein 7 WONDERS mit Abstrichen immer noch ziemlich gut ist, ergeben ein durchaus gefälliges Spielerlebnis – aber auch nicht mehr.

Karl-Peter Nos

Frédéric Guérard: IT’S A WONDERFUL WORLD für 1 – 5 Personen mit Illustration von Anthony Wolff bei La Boîte de Jeu und Origames 2019, Spieldauer 30 – 60 Minuten

Dieser Text erschien in der 131. Ausgabe des Fairplay Magazins. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für 24 Euro im Jahr.

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