Fairplay 94 – Rezension: Troyes

Die Stadt bin ich!

Isch ´abe mir nie vorstellen können, dass die Verwaltung einer Stadt im Mittelalter so schwär sein könnte. Isch ´abe gedacht, wenn isch noch bis zu trois (spricht sich übrigens wie der Name dieser Stadt, trwa) Mitverwalter vor Ort ´abe, dann wird das alles viel einfacher. Aber riens, ganz im Gegenteil, sie wollen die Stadt viel besser verwalten als isch und sich damit aufspielen und sich Fürsten von sonst etwas nennen. Und was bekommen wir dafür in die ´and? Ein paar rote, weiße und gelbe Würfel. Isch glaube, dass es keine gute Idee ist, die Organisation einer Stadt allein vom Glück abhängig zu machen. Dazu braucht es schon etwas mehr. Oh là là, wir bekommen noch ein wenig Geld. Das nenne ich aber großzügig, ganze fünf Taler gibt es. Damit kann man sich bestimmt Weltbewegendes leisten.

Dann werden wir mal schauen, wer uns zu ´ilfe eilt, ein Priester, ein Aubergiste und ein Bogenschütze. Das nenne ich aber eine Überraschung, ich bekomme jetzt 10 Taler und muss was bezahlen? Einen Lohn? Mon dieu, wo soll das noch ´inführen? Später kommen vielleicht die Einwohner noch auf die Idee Liberté, Fraternité und Égalité zu fordern. Jetzt würfeln wir endlich mit unseren uns zustehenden Würfel und schauen, wie gut wir diese Runde überstehen. Das sind aber viele Einsen und Zweien, das ´eißt bestimmt nichts Gutes, elendes Glücksspiel. Was willst du damit sagen, das ist nicht so schlimm? Natürlich ist das schlimm, ´ohe Zahl ist immer besser.

Schauen wir lieber, welche Ereignisse uns ´eute treffen. Wie jedes Mal ziehen wieder irgendwelche plündernden Barbaren durch meine Stadt, dann ´aben wir einen Erbfolgestreit und einen Bürgerkrieg. Der Krieg kostet jeden von uns drei Taler, wer es sich nicht leisten kann, verliert zwei Siegpunkte. Bei der Erbfolge drängelt sich so eine ´ässliche graue Figur in den Palast des Grafen und schubst mich ´inaus. Wie kann er es wagen? Wem ge´ört diese miese Kreatur? Niemanden? So ist es also ein namenloser Wicht, der eine Spielerfigur von Rang und Namen einfach so aus dem Grafenpalast ´inauswirft. Dann werde ich mich wohl um die Barbaren kümmern. Zut alors, sie kommen mit einer Stärke von sechs daher. ´atte isch meine Meinung zu Würfelspielen schon mitgeteilt? Aber die roten Würfel zählen im Kampf ja doppelt, so dass ich diesen Plünderern mit meiner roten Drei in den ´intern treten kann und sie somit aus meiner Stadt werfe. Dafür bekomme isch sogar noch einen Einflusspunkt. Das waren also die Ereignisse!

Jetzt werde isch erst richtig aktiv werden und die Verwaltung der Stadt persönlich in die ´and nähmen. Aber isch ´abe immer noch viele Einsen und Zweien. Was sähe isch? Isch darf für vier Einflusspunkte bis zu drei Würfel wenden. Dann drehe ich zwei Einsen auf die Sechs und eine Zwei auf die Fünf. Bien, dann ´abe ich mich wohl zu früh über das Würfelglück beschwärt, Pardon. Fantastique, seht ihr wie ein diabolique Grinsen in meinem Gesicht entsteht? Isch kann euch eure Würfel abkaufen und ihr dürft es nicht ablehnen. Nehmt ´in, den schnöden Mammon. So langsam fange isch an, dieses Spiel zu lieben!

Was fange isch aber an mit den vielen Würfeln? Isch könnte einen der drei Ge´ilfen nutzen, der Priester er´öht den Wert der gelben Würfel, der Gastwirt kann Geld in Einflusspunkte umwandeln und der Bogenschütze sorgt für die Abwehr von Ereignissen. Doch dafür bräuchte isch einen sogenannten Meister, der kostet Geld. Na gut, vielleicht kaufe isch doch nicht eure Würfel. Die Kathedrale zu vollenden, wäre für meinen Ruhm und Ehre natürlich auch wichtig. Vielleicht kümmere isch mich auch um die Ereignisse, sonst wirken sie nächste Runde wieder und Neue kündigen sich schon an. Aber eigentlich brauche isch viel mehr Würfel, also müsste isch lieber eine Figur im Bischofssitz, Grafenpalast oder im Rathaus einsetzen und nebenbei eine eurer Figuren verschwinden lassen, welch teuflischer Gedanke wächst da in mir? Isch könnte aber auch einfach für Geld sorgen und Landwirtschaft betreiben.

Oh là là, mir wird ganz schwindlig im Kopf, was soll ich nur tun? Was heißt, dies ist ein schnelles Spiel? Hetzt mich nicht! Auf der Schachtel steht, wir ´aben 90 minutes Zeit für die vier bis sechs Runden. Dann werden wir ja sehen, wer ´ier die ´osen in der Stadt trägt. Punkt für Punkt für den Sieg werde ich ein´eimsen für Klötzchen auf den Ereigniskarten, für meine Meister und von den vielen Siegpunkten, die isch während des Spiels eingesammelt ´abe, will isch erst gar nicht beginnen zu erzählen. Beim nächsten Mal spiele isch ´alt nur zu zweit, das funktioniert genauso gut.

Aber dann beginnt wieder alles von vorn? Neue Ge´ilfen tauchen auf, andere Ereignisse, die Würfel fallen anders? Isch wollte doch noch über die perfekte tactique nachdenken und allen Leute mitteilen, damit sie immer gewinnen können. Lohnt sich nicht, na gut. Gibt es denn nichts über dieses Spiel zu schimpfen? L’allemand ge´ört nicht zu unseren bevorzugten Sprachen, Sie sollten lieber die englische Regel lesen. Bei einer Sache bin isch mir noch nicht so sicher, ob isch die Regelung als gelungen empfinde. Wir werden zu Beginn des Spiels un oder deux Persönlichkeits-Karten in die ´and gedrückt bekommen. Diese ´alten wir ge´eim und am Ende des Spiels bekommen wir entsprechend dieser Karten Siegpunkte. Allerdings bekommen alle Mitspieler dafür Punkte. Dies ´interlässt ein wenig den Eindruck der Beliebigkeit. Und das Spiel wird sicher auch mal 120 Minuten dauern. Aber isch garantiere Ihnen, die Zeit verfliegt im Nu und die sehr gute Scout-Note ´at es zu Recht bekommen, prometteusement.

Peter Zanow

Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban: TROYES für 1 – 4 Personen mit Illustration von Alexandre Roche bei Pearl Games 2010, Spieldauer 90 Minuten


Dieser Text erschien in der 94. Ausgabe des Fairplay Magazins. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für nur 24 Euro im Jahr.

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