Fairplay 136 – Fastfood: Furnace

Frühe Oligarchen

Thema

Rauchende Schlote, Kohle, Eisen, Dampfmaschinen und viel Geld. Wir sind Kapitalistinnen der industriellen Revolution. Beginnend mit einer beschaulichen Fabrik erwerben wir weitere Industrieanlagen, produzieren, verwerten und verkaufen Rohstoffe, um am Ende die reichsten Industriellen des 19. Jahrhunderts zu sein.

Optik

Die Gestaltung, angefangen beim Cover über die Kartenillustrationen bis zum pfiffigen Rundenmarker, versprüht überzeugende Atmosphäre. Natürlich nur die optimistisch-technologische Sicht, kein Charles Dickens weit und breit. Dafür gibt es viel Industriecharme, der zwar an zeitgenössische Stiche erinnert, nur dass sie hier koloriert sind.

Mechanik

Einerseits ist FURNACE ein herkömmlicher Engine-Builder. Wir erwerben jede Runde Fabrikkarten und bauen daraus Produktionsketten, die Rohstoffe fördern, in andere Rohstoffe verarbeiten und letztendlich in Geld umgesetzt werden. Mit den richtigen Ressourcen werte ich meine Fabriken auf und drehe die Karte auf die schönere Rückseite.

Andererseits ist FURNACE ein Auktionsspiel, dass mit zwei besonderen Ideen aufwartet. Zu Rundenbeginn stehen neue Fabriken für unsere Gebote zur Verfügung. Wir alle haben in unserer Farbe vier Bietchips mit den Werten 1–4 auf der Hand. Der Reihe nach legen wir einen unserer Chips auf eine der angebotenen Fabrikkarten. Liegt auf einer Karte schon einer meiner Chips darf ich dort keinen weiteren platzieren. Das darf ich auch dann nicht, wenn dort bereits ein fremder Chip gleichen Werts liegt. Sind alle Chips verteilt, gehen die Fabriken an die Bieterinnen mit dem höchsten Chipwert. Ungewöhnlich ist aber, dass ich manche Fabrikkarten gar nicht gewinnen möchte, sondern der Wert meines Bietchips möglichst knapp unter dem Höchstgebot liegt. Gehen wir bei einer Fabrikkarte leer aus, erhalten wir dafür eine auf der Karte festgelegte Kompensation. Und zwar so oft, wie mein leider knapp zu niedriges Gebot.

Fazit

Was mir an FURNACE gefällt, sind für mich überraschend der Auktionsteil und die Gestaltung. Ich mag einfach diesen Stil und die Atmosphäre, die das Cover und die Kartenillustrationen transportieren. Auktionsspiele finde ich in der Regel nicht besonders frisch. Mit den eingängigen Einschränkungen der Bietchips und den Kompensationen, sieht das schon sehr viel interessanter aus. Die richtigen Entscheidungen beim Einsetzen auf die lukrativen Fabriken zu finden, macht diesen Teil des Spiels reizvoll.

Das Engine-Building gefällt mir an FURNACE hingegen nicht besonders. Die Spielregel empfiehlt, Zeit zu sparen, indem wir unsere Produktionsketten gleichzeitig und jeweils nur für uns auswerten. Gerade in den letzten beiden Runden liegen schon einige! erworbene Fabriken vor uns. Da ist Geduld nötig, während alle für sich die richtige Aktivierungsreihenfolge austüfteln. Wer selbst gerne grübelt oder das aushalten kann, wird belohnt.

Ranking

Andere Engine-Builder wie RES ARCANA, WINGSPAN oder TERRAFORMING MARS gefallen mir deutlich besser. Das liegt für mich daran, das dort das Auswerten der Engine kleinschrittiger bzw. vorgegebener und gleichzeitig vielfältiger ist. Mit den unterschiedlichen Varianten von Auktionsspielen habe ich nicht besonders viel Erfahrung. So weit mir bekannt ist der Auktionsmechanismus mit den Bietchips aber neu und gefällt mir gut. Zum Schluss die Optik: Gerne mehr davon. BRASS beispielsweise gehört in beiden Ausprägungen zu meinen Lieblingsspielen und das liegt definitiv auch stark an der Gestaltung. (mel)

Ivan Lashin: FURNACE für 2 – 4 Personen mit Illustration von Sergey Dulin, Marta Ivanova, Ilya Konovalov, Oleg Yurkov, Vadim Poluboyarov, Egor Zharkov bei Hobby World 2020, Spieldauer 30 – 60 Minuten

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